Diabetes: Ursachen, Symptome und moderne Behandlungsmethoden

Diabetes: Ursachen, Symptome und moderne Behandlungsmethoden - Was ist Typ 2 Diabetes?

Jeden Tag erkranken etwa 1600 Personen in Deutschland an Diabetes. Wenn die Entwicklung in den nächsten Jahren so bleibt, werden im Jahr 2040 etwa 12,3 Millionen Menschen mit einer Diabetes-Erkrankung in Deutschland leben. Damit ist Diabetes eine der häufigsten Volkskrankheiten.

 

Aber was ist Diabetes überhaupt?

 

Diabetes, umgangssprachlich auch Zuckerkrankheit genannt, ist eine chronische Erkrankung des Stoffwechsels, die durch einen anhaltend erhöhten Blutzuckerspiegel gekennzeichnet ist. Es wird hauptsächlich zwischen zwei Diabetes Formen unterschieden: Diabetes Typ 1 und Typ 2. Darüber hinaus werden unter Diabetes Typ 3 verschiedene Formen zusammengefasst, die sich durch andere Ursachen von Typ 1 oder Typ 2 unterscheiden.

 

Inhaltsverzeichnis
Wie unterscheiden sich die Diabetes-Formen?
Wie entsteht ein zu hoher Blutzuckerspiegel?
Symptome von Diabetes mellitus Typ 2
Ursachen und Risikofaktoren für Typ 2 Diabetes
Diagnose: Wie erkenne ich Diabetes Typ 2?
Behandlungsmöglichkeiten für Diabetes Typ 2
Ernährungstipps: Was soll man bei Diabetes Typ 2 nicht essen?
Ernährungswissenschaftliche Perspektiven: Alternative Diäten und ihr Einfluss auf Typ 2 Diabetes
Vorbeugung: Was kann man gegen Diabetes Typ 2 tun?
Ist Diabetes Typ 2 heilbar?
Gefahren und Komplikationen bei Diabetes Typ 2
Besondere Herausforderungen für Typ 2 Diabetiker
Psychologische Auswirkungen und mentale Gesundheit bei Typ 2 Diabetes
Zukunftsaussichten: Aktuelle Forschung und Entwicklungen zu Diabetes Typ 2

 

Wie unterscheiden sich die Diabetes-Formen?

 

Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, die häufig schon im Kindes- und Jugendalter auftritt. Sie ist durch einen absoluten Insulinmangel gekennzeichnet. Die Bauchspeicheldrüse ist nicht mehr in der Lage (ausreichend) Insulin zu produzieren, wodurch es zu einer Störung des Zuckerstoffwechsels kommt. Das Hormon Insulin spielt eine wichtige Rolle bei dem Transport der Zuckerbausteine aus dem Blut in die Körperzellen, wo er als Energiequelle genutzt wird. Ohne dieses Hormon kann der Zucker nicht mehr richtig im Körper verarbeitet werden, was zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel führt. Bei Diabetes Typ 1 ist eine Therapie mit Insulin unumgänglich, weshalb diese Form auch insulinabhängiger Diabetes genannt wird.

 

Bei Diabetes Typ 2 produziert die Bauchspeicheldrüse zwar eigentlich genug Insulin, der Körper ist jedoch nicht mehr in der Lage, es effektiv zu nutzen. Man spricht hier von einer sogenannten Insulinresistenz. Die Folge ist, genauso wie bei Typ 1, dass der Zucker aus dem Blut nicht mehr ausreichend in die Körperzellen aufgenommen werden kann, sodass es auch hier zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel kommt. Im Gegensatz zu Typ 1 Diabetes tritt Typ 2 Diabetes meist erst im höheren Lebensalter auf, weshalb er lange auch als "Altersdiabetes" bezeichnet wurde. Mittlerweile verschiebt sich das Alter der Erstmanifestation, also das erste Auftreten der Erkrankung bei einem vormals gesunden Menschen, zunehmend auch auf jüngere Patienten.

 

Unter Typ 3 Diabetes wurden in der Vergangenheit alle seltenen Diabetesformen zusammengefasst. Heute werden eher die Bezeichnungen „Sekundäre Diabetesformen“ oder „Sonstige Diabetes-Typen“ benutzt. Dabei entsteht die Insulinresistenz durch eine andere Krankheit, als Folge eines operativen Eingriffes bei der Bauchspeicheldrüse, durch genetische Defekte, Hormonstörungen, Infektionen oder als Nebenwirkung von Medikamenten.

 

Da mit 90-95% die häufigste Form der Typ 2 Diabetes ist, wollen wir uns in diesem Artikel auf diese Krankheitsform konzentrieren.

 

Wie entsteht ein zu hoher Blutzuckerspiegel?

 

Ob Brötchen, Schokoriegel oder Erdbeere – egal, was wir essen, der Verdauungsappart wird damit in Bewegung gesetzt. So gelangen die Zuckerbausteine ins Blut und werden dann mithilfe von dem Hormon Insulin in die Körperzellen aufgenommen.

 

Wird der Körper aber dauerhaft mit Zucker überversorgt, sind die Kapazitäten der Zellen ausgereizt. Der Zucker im Blut kann nicht wie im gesunden Zustand in die Zellen aufgenommen werden, was sich in erhöhten Blutzuckerwerten zeigt. Im frühen Stadium kann der erhöhte Blutzucker durch eine Mehrproduktion von Insulin kompensiert werden, sodass die Werte zunächst nur leicht erhöht sind. Diese Phase nennt man Prädiabetes und gilt als Vorstufe des Typ 2 Diabetes Mellitus: Der Langzeit Blutzuckerwert (HbA1c) ist leicht erhöht, liegt aber noch unterhalb des Schwellenwerts für eine Diabetesdiagnose.

 

Bleiben die erhöhten Blutzuckerwerte unbemerkt und die Zufuhr von schnell verdaulichen Kohlenhydraten über die Nahrung unverändert, benötigt der Stoffwechsel immer mehr Insulin. Nicht nur, weil eine hohe Menge Zucker im Blut vorliegt, sondern auch weil das körpereigene Insulin nicht mehr richtig wirkt und die Zellen zunehmend resistenter dagegen werden. Die Bauchspeicheldrüse wird immer mehr beansprucht, um dem Bedarf gerecht zu werden, bis sie einen Erschöpfungszustand erreicht. Wenn es so weit kommt, kann eine Behandlung mit Insulin-Spritzen für Typ 2 Diabetiker notwendig werden.

 

Symptome von Diabetes mellitus Typ 2

 

Meist entwickelt sich Typ 2 Diabetes schleichend über einen längeren Zeitraum hinweg, ohne dass man es spürt. Erhöhte Blutzuckerwerte bleiben daher oft lange unbemerkt und genau das ist das Gefährliche.

 

Ein dauerhafter erhöhter Blutzuckerspiegel kann eine Vielzahl an Beschwerden erzeugen, darunter starker Durst, vermehrter Harndrang, Müdigkeit und Antriebsschwäche, Übelkeit, schlechte Wundheilung, unscharfes Sehen, häufige Infekte sowie Schwindel. Sehr hohe Blutzuckerwerte können sogar zu Bewusstseinsstörungen, Bewusstlosigkeit oder zu einem diabetischen Koma führen. Ein unbehandelter Diabetes ist ein großes Risiko.

 

 

Müdigkeit und Konzentrationsstörungen können ein Anzeichen für Diabetes sein

Müdigkeit und Konzentrationsstörungen können ein Anzeichen für Diabetes sein - ©DC Studio

 

Ursachen und Risikofaktoren für Typ 2 Diabetes

 

Doch wie kommt es überhaupt zu einem Diabetes Typ 2?

 

Mehrere Faktoren tragen zur Entwicklung von Typ-2-Diabetes bei. Manche davon kann man selbst beeinflussen, manche nicht. Darunter fallen Genetik, wenn bereits Diabetes in der Familie vorkommt, und bestimmte medizinische Zustände, wie beispielsweise erhöhte Blutfettwerte und Bluthochdruck, aber vor allem auch Lebensstilentscheidungen. Daher zählen zu den Risikofaktoren für Typ 2 Diabetes

  • Übergewicht
  • geringe körperliche Aktivität
  • Nikotin- und Alkoholkonsum
  • ballaststoffarme, fett- und zuckerreiche Ernährung
  • bestimmte Medikamente, die den Zuckerstoffwechsel beeinflussen

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) und das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) hat einen Online-Test entwickelt, mit dem jeder eine erste Einschätzung bekommen kann, wie hoch das persönliche Diabetes-Erkrankungsrisiko ist.

 

Sie finden den Deutschen Diabetes-Risiko-Test® hier.

 

Diagnose: Wie erkenne ich Diabetes Typ 2?

 

Da ein erhöhter Blutzuckerspiegel zunächst keine oder nur leichte Symptome verursacht, wird ein erhöhter Blutzuckerwert im Blut oder Urin oft erst zufällig im Rahmen einer Routineuntersuchung festgestellt. Bei Verdacht auf Diabetes Mellitus folgen eine körperliche Untersuchung und eine Blutzuckermessung. Dabei können verschiedene Parameter für die Diagnose Typ 2 Diabetes herangezogen werden:

  • Langzeitblutzucker (HbA1c): Dieser gibt Aufschluss über den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der letzten 3 Monaten. Liegt der HbA1c-Wert unter 5,7 % besteht kein Diabetes; liegt er über 6,5 % gilt das als Diabetesdiagnose. Liegt der Wert dazwischen, spricht man von Prädiabetes.
  • Nüchternblutzucker: Dieser wird nach einer Fastenzeit von mindestens 8 Stunden bestimmt. Werte bis 100 mg/dl gelten als "normal", während Werte ab 126 mg/dl bereits im diabetischen Bereich liegen. Werte dazwischen weisen auf einen Prädiabetes hin.
  • Gelegenheitsblutzucker: Dieser kann zu unterschiedlichen Zeitpunkten im nicht-nüchternen Zustand gemessen werden. Werte von 200 mg/dl oder mehr gelten als diabetisch.

 

Was sagen mir meine Blutzuckerwerte?

Was sagen mir meine Blutzuckerwerte? - ©perora

 

Behandlungsmöglichkeiten für Diabetes Typ 2

 

Das erste und wichtigste Behandlungsziel ist es, den Blutzuckerspiegel zu senken. Die Therapie von Typ 2 Diabetes Mellitus umfasst mehrere Bausteine, die sich vor allem auf Veränderungen des Lebensstils konzentrieren. Dazu zählen insbesondere eine Anpassung der Ernährung und körperliche Bewegung. Erst wenn Lebensstil-Interventionen nicht greifen oder die Erkrankung zu weit vorangeschritten ist, können auch Medikamente, sogenannte Antidiabetika zur Behandlung eingesetzt werden. Bei lang anhaltenden, hohen Blutzuckerwerten kann bei Typ 2 Diabetes eine Insulin-Therapie notwendig sein.

 

Welche Behandlungsmethode angewandt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter Alter, körperliche Verfassung, allgemeine Lebenssituation, andere Erkrankungen und persönliche Ziele.

 

Ernährungstipps: Was soll man bei Diabetes Typ 2 nicht essen?

 

Genauso wie es keinen 10 Punkte-Plan für „gesunde Ernährung“ gibt, existieren ebenso keine allgemeingültigen Regeln mit Ge- und Verboten oder Mengenangaben von bestimmten Lebensmitteln für Menschen mit Diabetes. Es gelten die allgemeinen Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für eine ausgewogene Ernährung.

 

Die Lebensmittelwahl sollte abwechslungsreich und vielfältig sein. Um möglichst alle nötigen Nährstoffe aufzunehmen, sollten Lebensmittel unterschiedlicher Art, die möglichst wenig verarbeitet sind, gewählt werden. Der Spaß und Genuss am Essen sollten nicht zu kurz kommen. Es gibt keine Lebensmittelgruppe, die ausgeschlossen werden soll, vielmehr ist die Zusammenstellung bzw. die Menge der Lebensmittel entscheidend. Durch die richtige Ernährung können der Zuckerstoffwechsel, die Blutfette und das Risiko für Folgeerkrankungen positiv beeinflusst werden.

 

Da Kohlenhydrate den größten Einfluss auf die Blutzuckerspiegel haben, wird auf sie ein besonderer Fokus gelegt. Es sollten komplexe, langkettige Kohlenhydrate z. B. Vollkornprodukte bevorzugt werden. Einfache, kurzkettige Kohlenhydrate wie Weißbrot und Zucker sollten möglichst wenig aufgenommen werden.

 

Eine weitere wichtige Rolle spielen Ballaststoffe, die den Blutzuckerspiegel und den Diabetesverlauf positiv beeinflussen können. Die DGE empfiehlt einen Verzehr von mindestens 30 g Ballaststoffen pro Tag. Die Empfehlung für Diabetiker liegt sogar bei 40 g pro Tag. Besonders günstige Ballaststoffquellen sind beispielsweise Vollkornprodukte, Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst. Hier kann auch supplementiert werden, idealerweise mit löslichen Ballaststoffen.

 

„Eine erhöhte Ballaststoffzufuhr zeigt schützende Wirkungen auf kardiovaskuläre Erkrankungen wie koronare Herzkrankheiten und Schlaganfall sowie Diabetes mellitus Typ 2, Adipositas, Gesamt- und LDL-Cholesterolkonzentration, Hypertonie, Kolonkrebs und Brustkrebs.“ (Empfehlung der DGE, Meldung vom 25.Januar 2022)

 

Ernährungswissenschaftliche Perspektiven: Alternative Diäten und ihr Einfluss auf Typ 2 Diabetes

 

Es gibt unzählige Ernährungsformen und Diäten: Low-Carb, Paleo, Atkins, vegetarisch, vegan, mediterran, Fasten und viele mehr.

 

Aber welche davon ist nun die richtige?

 

Die Antwort mag enttäuschend sein: Aber es gibt nicht die eine richtige Ernährungsform - auch nicht für Menschen mit Typ 2 Diabetes. Ein Punkt, über den sich Experten einig sind ist, dass es nicht sinnvoll ist, eine ganze Lebensmittelgruppe auszuschließen. Grundsätzlich gilt eine ausgewogene Vollkostform als ideale Ernährungsweise. So individuell jeder Mensch, seine Geschichte und Lebensumstände sind, so individuell ist der passende Ernährungsweg. So zeigen durch CGM-Systeme gemessene Blutzuckerverläufe (Glucose-Sensoren, die über mehrere Tage in Minutenabständen den Glukosegehalt in der Gewebeflüssigkeit des Unterhautfettgewebes messen) wie unterschiedlich Personen auf gleiche Lebensmittel oder Mahlzeiten reagieren.

 

Besonders hoch verarbeitete Lebensmittel stehen im Verdacht, Diabetes zu fördern

Besonders hoch verarbeitete Lebensmittel stehen im Verdacht, Diabetes zu fördern - ©rawpixel.com

 

Vorbeugung: Was kann man gegen Diabetes Typ 2 tun?

 

Die gute Nachricht ist: Keiner ist der Diabetes-Typ-2-Diagnose hilflos ausgeliefert. Man kann gegen das Eintreten der Erkrankung etwas tun und es ist nie zu spät, damit zu beginnen. Die Präventionsmaßnahmen ähneln den Therapiemaßnahmen und basieren auf einem gesunden Lebensstil mit viel Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung (ballaststoffreich sowie zucker- und fettarm). Dabei sind weitere Risikofaktoren zu berücksichtigen, wie beispielsweise Rauchen und Alkohol vermeiden.

 

Zu wissen, welche Lebensmittel starken Einfluss auf den Blutzucker haben, ist für die Vorbeugung von der „Zuckerkrankheit“ sehr wichtig. Nach der Aufnahme bestimmter Lebensmittel steigt der Blutzuckerspiegel besonders stark an, was die Bauchspeicheldrüse beansprucht und eine hohe Ausschüttung von Insulin zur Folge hat. Ein Informiertsein über Lebensmittelgruppen, die mit der Entstehung von Diabetes assoziiert sind (wie z.B. zuckergesüßte Erfrischungsgetränke), hilft bei einem bewussten, aber selteneren Genuss dieser Lebensmittel.

 

Um sein Wissen über Ernährung zu vertiefen, eignen sich Schulungen oder Ernährungsberatungen, die der Arzt verschreiben kann.

 

Wer gut über seine Krankheit Bescheid weiß, wie sie entsteht und was im Körper dabei passiert, dem fällt es im Alltag deutlich leichter, gute Gewohnheiten zu etablieren, um die Blutzuckerwerte im Zielbereich zu erreichen und/oder zu halten.

 

Mehr Bewegung im Alltag integrieren ist ein wichtiger Therapiebaustein in der Diabetesbehandlung.

Mehr Bewegung im Alltag integrieren ist ein wichtiger Therapiebaustein in der Diabetesbehandlung. - ©Arek Adeoye

 

Ist Diabetes Typ 2 heilbar?

 

Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort und das Thema gilt als Streitpunkt unter Experten. Entscheidend ist, wie weit die Erkrankung vorangeschritten ist und wie man "Heilung" definiert. Im Stadium des Prä-Diabetes gibt es noch viel Spielraum, um der Entstehung eines manifesten Diabetes entgegenzuwirken und die Werte wieder in den Zielbereich zu bringen. Desto weiter fortgeschritten die Erkrankung jedoch ist, desto schwieriger wird es, ohne den Einsatz von Medikamenten eine gute Einstellung zu erzielen. Solange nur eine Insulinresistenz besteht und die Funktion der Bauchspeicheldrüse noch nicht stark beeinträchtigt ist, können Typ 2 Diabetiker normale Blutzuckerwerte erreichen.

 

Dies zeigte insbesondere eine Studie aus Großbritannien von Lean et al. 2018 (DiRECT-Studie). An dieser randomisierten, kontrollierten Studie nahmen 298 übergewichtige und adipöse, nicht insulinpflichtige Menschen mit Typ 2 Diabetes teil, wobei die Diagnose nicht länger als 6 Jahre zurückliegen durfte. Die Probanden wurden in zwei Gruppen eingeteilt: die Kontrollgruppe, die eine herkömmliche, leitliniengerechte Betreuung durch den Hausarzt erhielten und die Interventionsgruppe, die ein intensives Gewichtsmanagementprogramm durchliefen. Letzteres bestand aus einer streng niederkalorischen Ernährung (825-853 kcal/Tag) für 3 - 5 Monate. In dieser Zeitspanne wurden die bisherigen Diabetes Medikamente sowie Blutdruck-Senker nicht eingenommen und die Probanden wurden angehalten, auf Sport zu verzichten. Anschließend erfolgte eine schrittweise Wiedereinführung von verschiedenen Lebensmitteln. Danach startete eine Gewichtserhaltungsphase, wobei sie monatlich eine Ernährungsberatung erhielten und psychotherapeutisch begleitet wurden und zusätzlich motiviert wurden, ihre körperliche Aktivität zu steigern.

 

In der Interventionsgruppe erreichten 46 % der Probanden Langzeitblutzuckerwerte im Zielbereich, was die Autoren als Remission bezeichneten (deutliche Besserung bis hin zur vollständigen Rückbildung von Krankheitszeichen). Bei einer Gewichtsreduktion von mehr als 15 kg betrug die Remissionswahrscheinlichkeit sogar 86 %. Im Vergleich lag der Wert in der Kontrollgruppe lediglich bei 4 %.

 

Diese Ergebnisse zeigen eindrücklich, dass eine Körpergewichtsreduktion über Ernährungstherapie und Lebensstilverbesserungen zu einer Remission führen kann.

 

Diabetes rückgängig machen erscheint wie ein nicht erklimmbarer Berg, ist aber möglich.

Diabetes rückgängig machen erscheint wie ein nicht erklimmbarer Berg, ist aber möglich. - ©Jukan Tateisi

 

Gefahren und Komplikationen bei Diabetes Typ 2

 

Ist der Diabetes nicht gut eingestellt oder bleibt lange Zeit unentdeckt, kann das langfristige Folgen haben. Zu hohe Blutwerte können kleine und große Blutgefäße schädigen, was wiederum schädlich für verschiedene Organe sein kann. Besonders häufig treten Schäden an Nieren, Augen und Nerven auf, was das Risiko für Herz Kreislauf Erkrankungen erhöht.

 

Kurzfristig besteht die Gefahr von Stoffwechselentgleisungen. Hierzu zählen zum einen schwere Überzuckerung (Hyperglykämien) und Unterzuckerung (Hypoglykämien). Solche Entgleisungen entwickeln sich oft sehr schnell und werden durch eine versehentliche Über- oder Unterdosierung von Insulin oder das Vergessen von Diabetes Medikamenten verursacht. Außerdem ist das Risiko einer Entgleisung in bestimmten Situationen wie fieberhafter Krankheit oder intensiver sportlicher Belastung erhöht. Da eine Stoffwechselentgleisung lebensbedrohlich sein kann, sollte in jedem Fall ein Notarzt gerufen werden, insbesondere wenn unklar ist, ob es sich um eine Über- oder Unterzuckerung handelt.

 

Besondere Herausforderungen für Typ 2 Diabetiker

Typ 2 Diabetes ist eine Krankheit, die sehr ernst genommen werden muss und Veränderungen erfordert. Wenn das Motto „Alles bleibt so wie immer“ ist und der bisherige Lebensstil beibehalten wird, ist die Zukunftsperspektive mit abnehmender Lebensqualität und vielen Arztbesuchen verbunden. Jetzt etwas zu ändern, bedeutet zwar auch Aufwand, aber erfordert weniger Kraft als später.

 

Menschen mit Typ 2 Diabetes werden vor tagtägliche Herausforderungen gestellt. Sie sollten auf eine ausgewogene Ernährung achten, Zeit für Sport in der Woche einplanen und umsetzen und regelmäßig den Blutzucker messen bzw. kontrollieren. Je nach Krankheitsfortschritt kann die Einnahme von Tabletten oder Spritzen notwendig sein, was oft einen großen Einschnitt in das Leben bedeutet. Da Typ 2 Diabetes das Risiko für verschiedene Erkrankungen erhöht, ist das Einhalten der Therapie unbedingt erforderlich.

 

Die Behandlung erfordert in der Regel ein hohes Maß an Selbstdisziplin und das Auseinandersetzen mit dem Krankheitsbild ist für Betroffene unumgänglich. Entscheidend ist, dass Patienten Mittel und Wege finden, um sich selbst zu einem achtsamen und bewussten Umgang mit ihrer Diagnose Typ 2 Diabetes zu motivieren.

 

Psychologische Auswirkungen und mentale Gesundheit bei Typ 2 Diabetes

 

Eine Diabetes-Erkrankung kann nicht nur Auswirkungen auf die körperliche, sondern auch auf die psychische Gesundheit haben. Viele Patienten sind mit der Diagnose überfordert, fühlen sich alleine gelassen und sind geplagt von Sorgen, Ungewissheit und Angst vor Folgeerkrankungen. Die Krankheit bestimmt den Alltag mit. Betroffene berichten oft von einer emotionalen Dauerbelastung.

 

Dabei könnte bei einer ausführlichen Aufklärung direkt vermittelt werden, dass kein Betroffener dem negativen Verlauf inklusive Folgeerkrankungen hilflos ausgeliefert ist und jeder die Möglichkeit hat, den Verlauf der Erkrankung selbst mitzubestimmen und durch Lebensstiländerungen den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.

 

Fehlt dieser positive Ausblick, entsteht oft eine seelische Last. So treten Depressionen etwa doppelt so häufig bei Menschen mit Typ 2 Diabetes auf als bei Menschen ohne Diabetes. Zu den Symptomen einer Depression zählen neben Niedergeschlagenheit und Antriebs- oder Teilnahmslosigkeit auch verminderte Konzentration, Schlafstörungen oder mangelndes Selbstwertgefühl.

 

Man kann diesen Symptomen entgegenwirken, ohne gleich Tabletten nehmen zu müssen. Bewährte Strategien umfassen beispielsweise Bewegung wie Walken oder spazieren, Kontakt zu anderen Betroffenen oder nahestehenden Menschen sowie ein ausgewogener, gesunder Lebensstil.

 

Da es im Rahmen eine Routineuntersuchung in der Regel schwierig ist, eine Depression zu erkennen, sollten Patienten, die unter einem oder mehreren der oben genannten Symptome leiden, unbedingt das Gespräch im Vertrauen suchen.

 

ragen, was noch erlaubt ist und was nicht, können Betroffene von Diabetes Typ 2 sehr belasten

Fragen, was noch erlaubt ist und was nicht, können Betroffene von Diabetes Typ 2 sehr belasten - ©Jakub Kapusnak

 

Zukunftsaussichten: Aktuelle Forschung und Entwicklungen zu Diabetes Typ 2

 

Die Diabetes-Forschung gehört weltweit zu den größten Forschungsfeldern. Zahlreiche Einrichtungen und Institute forschen, um die Ursachen und Verlauf der Krankheit besser zu verstehen, um daraus potenzielle Präventions- und Therapiemaßnahmen von Diabetes abzuleiten. Der Stand der Forschung verschiebt sich dabei stetig.

 

Hier ein paar Beispiele von aktuellen Forschungsfragen:

  • Welchen Einfluss haben verschiedene Organe (Leber, Gehirn) auf die Entstehung und den Krankheitsverlauf?
  • Welche Gene sind möglicherweise beteiligt?
  • Beobachtungen zeigen, dass sich Ernährungsgewohnheiten im Erbgut niederschlagen und vererbt werden können – wie beeinflusst der Lebensstil, inwieweit der genetische Code abgelesen wird und verändert werden kann?
  • Wie kann man die ß-Zellen der Bauchspeicheldrüse schützen?
  • Warum greift das körpereigene Immunsystem bei Typ 1 Diabetes die Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse an?
  • Lässt sich Diabetes durch Stimmanalysen diagnostizieren?
  • Welche unterschiedlichen Diabetes-Untertypen gibt es und wie kann man die gezielter behandeln?
  • Weitere Themen rund um die „Abnehmspritze“ GLP-1-Analogon (Dulaglutid bzw. Semaglutid)

 

Klinische Studien sind ein wichtiger Bestandteil der Forschung. Hierbei werden Ergebnisse aus dem Labor, z. B. aus Zellstudien, auf den Menschen übertragen, um eine konkrete Behandlung daraus ableiten zu können. Fortlaufend wird an neuen Ansätzen geforscht, um die Mechanismen zu verstehen und die Störungen des Stoffwechsels, die Diabetes-Erkrankungen zugrunde liegen zu verhindern.

 

Die kontinuierlichen Blutzucker-Sensoren haben die Diabetes-Forschung einen großen Schritt weiter gebracht.

Die kontinuierlichen Blutzucker-Sensoren haben die Diabetes-Forschung einen großen Schritt weiter gebracht. - ©perora

 

 

 

 

 

Hinweis: Die Informationen in diesem Blog stellen keine ärztliche Beratung dar und können das persönliche Gespräch mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin nicht ersetzen.

 

 

 

 

Quellen
https://www.diabetesde.org/ueber_diabetes/was_ist_diabetes_/diabetes_in_zahlen
https://www.diabinfo.de/leben/andere-diabetesformen.html
https://www.diabinfo.de/leben/typ-2-diabetes.html
Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes Langfassung
https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/stoffwechsel/diabetes/typ-2.html
https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/deutsches-zentrum-fur-diabetesforschung-5777.php
https://www.diabinfo.de/leben/typ-2-diabetes/grundlagen/ursachen-und-entstehung.html

 

Bildnachweise
©Drazen Zigic: https://www.freepik.com/free-photo/senior-couple-consulting-with-healthcare-worker-about-their-insurance-policy-while-having-meeting-clinic_25630172.htm
©DC Studio: https://www.freepik.com/free-photo/close-up-stressed-busy-woman-with-headache-working-from-business-office-late-night-tired-focused-employee-using-modern-technology-network-wireless-doing-overtime-job-checking-reports_17875831.htm
©rawpixel.com: https://www.freepik.com/free-photo/supermarket-cart_3540786.htm
©Arek Adeoye: https://unsplash.com/de/fotos/flachfokusfotografie-einer-person-die-auf-der-strasse-zwischen-gras-geht-ljoCgjs63SM
©Jukan Tateisi: https://unsplash.com/de/fotos/kleinkind-steht-vor-beigefarbener-betontreppe-bJhT_8nbUA0
©Jakub Kapusnak: https://www.foodiesfeed.com/free-food-photo/coffee-with-milk-with-hearty-latte-art/

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachte, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen.